Einmal König*in sein – Einfache Tipps zur Abgrenzung im Arztalltag - Arzt mit Plan

Einmal König*in sein – Einfache Tipps zur Abgrenzung im Arztalltag

Kennst du diese Tage, an denen du einfach super viel geschafft bekommst?


Ich denke jetzt gar nicht nur an die Arbeit, sondern auch an Tagen, an denen du zu Hause bist.


Es gibt manchmal so Samstage, da stehe ich ausgeschlafen und halbwegs zeitig auf und ab da läuft es. Sport, Einkaufen, saubermachen, Ablage, zwischendurch auf ein Käffchen mit Freunden, usw.



Solchen Tagen ist meist eines gemein: Keiner will etwas von mir! Keiner ruft mich an, keiner lenkt mich ab, kurzum ich kann einfach stumpf meinen Plan verfolgen.


Das ist im Privatleben deutlich häufiger der Fall als bei der Arbeit. (Zumindest war es so, bis ich Vater wurde… )


Du kommst hier nicht rein


Kein Wunder also, dass dein Chef sich eine Sekretärin vor die Tür setzt und telefonisch nie direkt erreichbar ist.


Nicht umsonst nennt man diese Personen vor der Tür dann auch Gatekeeper, also Wächter des Tores.


Wolltest du früher zum König, musstest du erstmal am Torwächter vorbei.


Der hatte auch die Aufgabe einzuschätzen, ob dein Anliegen überhaupt wichtig genug war, um direkt dem Herrscher vorgebracht zu werden. Vielleicht tat es ja auch der Kämmerer oder du wurdest direkt abgewiesen und das Tor blieb zu.


So konnte der König nämlich dem nachgehen, was er für wichtig hielt, im Idealfall weises Regieren im Sinne des Volkes, vielleicht aber auch nur Essen und die Beschäftigung mit Mätressen.


In jedem Fall konnte der König aber bestimmen, wer Zugang zu ihm bekam und damit, wer seine Zeit beanspruchen konnte.


Halten wir also fest: Weniger Zugang = mehr König sein


König sein ist gut!


Ein König bekommt richtig was geschafft, wenn er das will. Deshalb fühlen sich komplett selbstbestimmte Tage auch so gut an.


An diesem Tag bist du nämlich der König bzw. die Königin!


Ein bisschen blaues Blut wär' gut


Weder du noch ich werden auf der Arbeit in nächster Zeit König sein. Vielleicht aber schaffen wir es, mehr Zugangskontrolle zu erreichen, und damit unsere Zeit besser nutzen zu können.


Dazu musst du zunächst einmal feststellen, wer ständig Zugang zu deiner Aufmerksamkeit sucht. In den meisten Fällen werden das Menschen sein, die möglichst schnell ein Problem bei dir abladen möchten.


Oder um Stefan Merath zu zitieren:

„Probleme haben immer zwei Beine.“

Dazu gleich mehr. Manchmal sind es auch einfach E-Mails, die sich alle paar Minuten geräuschvoll bemerkbar machen.

Dieser Fall ist einfach zu lösen. 

Signalton aus, Benachrichtigung aus, und nur zweimal am Tag in die E-Mails gucken.

Z.b. morgens zu Arbeitsbeginn und irgendwann am Mittag oder Nachmittag.


Nichts, was mit einer E-Mail versendet wird, kann so wichtig sein, dass es sofort gelesen werden muss!

Wenn jemand etwas von dir persönlich will, tut es auch ein Anruf.

Wenn jemand mit dir telefonieren will, tut es auch eine E-Mail.

Wenn jemand dir eine E-Mail schicken will, tut es auch eine Textnachricht.

Wenn jemand dir eine Textnachricht schicken will, dann kann er es auch gleich sein lassen.

Etwas menschenfeindlich, aber jeder Sprung zu einer niedrigeren Kommunikationsstufe entlastet dich!

Kommen Sie schnell, es gibt keinen Kaffee mehr!

Der andere geht natürlich meistens davon aus, dass es sich gerade bei seinem Problem um einen Notfall handelt.


Und Notfälle müssen sowieso sofort behandelt werden.


Dass es oft „Schein“-Notfälle sind, ist ein anderes Problem.

Der einzige Notfall ist, wenn es einem Patienten plötzlich schlecht geht (oder wenn es brennt).


Was aber nun mit den Menschen, die etwas von dir wollen?


Hier gibt es verschiedene Herangehensweisen:

  1. Zugang durch andere filtern lassen

  2. Zugang zeitlich und räumlich begrenzen

  3. Zugang komplett abweisen

  4. Profi-Tipp: Gar nicht erreichbar sein

1. Gatekeeper für den Hausgebrauch

Nutze jede Gelegenheit eine andere Person zwischen dich und regelmäßig auftretende Probleme zu setzen:


  • Gib immer nur die Telefonnummer der Station oder der Stationssekretärin an und trainiere dann die Leute darauf, alle Anliegen aufzuschreiben.
  • Alles, was kein Notfall ist, kann auch warten, bis du aus deinem Zimmer kommst.
  • Gib dein Telefon während der Visite ab.
  • Lass möglichst viele Anfragen vom Studenten vorfiltern (und ggf. gleich lösen).

Fast niemand muss je sofort mit dir sprechen können!

2. Die nächste Audienz ist erst im Herbst

Es gibt verschiedene wiederkehrende Aufgaben, die du am besten zu festen Zeiten abarbeitest.


Einmal gehört dazu der Kontakt mit der Pflege.


Ich finde es sinnvoll, früh morgens einmal eine Kurzübergabe aus der Nacht abzuholen, um über besondere Vorkommnisse informiert zu sein. Ideal ist es auch, wenn jemand von der Pflege bei der Visite dabei ist, aber bei chronischer Unterbesetzung geht das oft nicht.


Angehörigengespräche sollten gebündelt und zu festen Zeiten stattfinden.

Auch Anrufe bei Angehörigen kann man dann erledigen. Da Nachmittags schon Ergebnisse der Diagnostik des Tages da sind bzw. die OPs schon gelaufen sind, ist es sinnvoll diese Gespräche an das Ende des Arbeitstages zu legen.


Das allererste Gespräch sollte man aber selbst initiieren, und zwar so früh während des Aufenthalts, wie es geht. Das verhindert, dass besorgte Angehörige auf Station erscheinen und dich zwingen, alles stehen und liegen zu lassen.

Oder schlechte Stimmung verbreiten, falls du nicht alles stehen und liegen lässt.


In diesem ersten Gespräch steckst du dann auch das weitere Procedere ab und die Regeln der Kommunikation. Je nach Grund des Aufenthaltes ist es z.B. nicht nötig, täglich Kontakt zu den Angehörigen zu haben, sondern nur, wenn es auch etwas zu berichten gibt.


Das sollte man von Beginn an aktiv und klar kommunizieren!

3. Die Königin ist beschäftigt

Wenn es irgendwie möglich ist, dann weise Anfragen komplett ab.

Das gilt insbesondere für Pharmareferenten, die keinerlei Anrecht auf deine Zeit haben.


Auch wenn sich Angehörige nicht abstimmen und jedes Grüppchen gerne persönlich betreut werden möchte, lehne es ab.


Und wenn es auch etwas gemein ist, Menschen die sich verlaufen haben (und nicht dement sind), schicke ich meist zur Info, anstatt ihnen ausführliche Wegbeschreibungen zu liefern.

4. Aus den Augen aus dem Sinn

Gerade zu Beginn und am Ende der Arbeitszeit ist es manchmal sinnvoll, nicht in Sichtweite zu sitzen.


Ein ruhiger Arbeitsplatz auf einer verlassenen Station oder im Funktionsbereich erlaubt mir konzentriertes Arbeiten.


Jemand der mich sonst einfach angesprochen hätte, macht sich oft nicht die Mühe meine Nummer zu wählen, wenn er denkt, dass ich gar nicht da bin!

Welche Tricks hast du auf Lager, um mehr König*in und weniger Hofnarr zu sein?

Schreib mir gerne!

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